Robert Seethaler: Der letzte Satz
Von Wiener Schmierfinken, Sigmund Freud und Auguste Rodin
„Der letzte Satz“ nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf eine Seefahrt. Gustav Mahler reist von Europa nach Amerika. Er ist kränklich und die letzte Reise bietet die Gelegenheit zur Rückschau in die eigene Lebensgeschichte.
In Wien damals „prügelten sich junge Männer um die letzten Karten“, denn: „Man wollte dabei sein. Man wollte mitreden. Vor allem aber wollte man diesen kleinen, zappeligen Juden sehen, der es aus unerfindlichen Gründen geschafft hatte, das beste und störrischste Orchester der Welt zu disziplinieren.“ Mahlers Dirigate waren mehr als nur ein kulturelles Wiener Stadtgespräch.
Wenig später verliebte er sich in die sehr junge, ausgesprochen schöne Alma Schindler: „Auf ihrem Gesicht lag der blaue Schein der Nacht. Es gibt keine andere, dachte er. Sie ist mein Glück. Ich weiß nicht, ob ich ihr Glück bin, jedenfalls ist sie meins. Ich weiß nicht, ob ich sie verdient habe…
So ein Gesicht hält jung, und es macht alt. Ich bin ein alter Mann, aber noch reicht es. Eine Weile kann ich noch durchhalten. Und er erinnert sich, wie ein „Wiener Schmierfink“ über ihn schrieb, er sei „ein flackerndes Flämmchen im Sturm der eigenen Verzweiflung“; wie ihn stets die Furcht vor dem Scheitern begleitete.
Auf Heilung hoffend war er Sigmund Freud nach Holland hinterher gereist und enttäuscht worden. Sie gingen spazieren, Mahler berichtete, dass er von dem „kindlichen Schrecken des Verlassenwerdens nicht hinausgewachsen“ sei. Freud hörte ihm zu. Mahler bleibt düster: „Es gibt keine Hilfe, dachte er.
Und es gibt keinen Trost, man ist alleine auf der Welt.“ In dem Gedanken der Trostlosigkeit findet der Komponist, der so müde ist, ein paar Augenblicke lang Ruhe.
Wenig später stirbt Gustav Mahler. Seine Witwe ist bei der Beisetzung abwesend. Wer an die Musik von Gustav Mahler denkt, dem kommen vor allem Momente des Erhabenen in den Sinn, die in vielen seiner Kompositionen vorherrschen. Auch Seethaler hat normalerweise einen solchen Stil.
Das literarische Bildnis des tieftraurigen Gustav Mahler ist ganz anders, ein völlig anderer Stil als seine früheren Werke.
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